FÜR SPIELFELD IM ENSATZ. SEIT 1889.
Allgemein, Veranstaltung

Urnenbeisetzung Karl Sailer

Trauerrede: ABI Michael Hanscheg

Liebe Trauergemeinde,
werte Kameradinnen und Kameraden,
Geschätzte trauernde Familie,
heute stehen wir hier mit schweren Herzen, um Abschied zu nehmen von Löschmeister Karl Sailer – von unserem Karli. Einem Menschen, dessen Platz nun leer ist, dessen Spuren jedoch tief und dauerhaft bleiben. In unserer Feuerwehr. In unserer Gemeinschaft. In jedem Einzelnen von uns.
Karl trat am 7. April 1995 der Feuerwehr Spielfeld bei. Mit diesem Tag begann ein Weg, der 30 Jahre andauerte – 30 Jahre Feuerwehrdienst, 30 Jahre Pflicht, Verantwortung und Treue. Doch diese drei Jahrzehnte lassen sich nicht in Zahlen fassen. Sie bestehen aus unzähligen Stunden des Helfens, der Kameradschaft, des Anpackens, des Daseins. Karl war da – verlässlich, ohne großes Aufsehen um seine Person. Die Feuerwehr war für ihn nicht nur eine Aufgabe. Sie war Teil seines Lebens, Teil seines Wesens.
Mit großer Ernsthaftigkeit absolvierte er die Grundausbildung und viele Lehrgänge an der Feuerwehr- und Zivilschutzschule in Lebring. Der Atemschutzgeräteträger-Lehrgang, Funkgrund-Lehrgang, Technischer Lehrgang I und II sowie zahlreiche weitere Ausbildungen zeugen von seinem Anspruch, immer vorbereitet zu sein. Er legte die Technische Hilfeleistungsprüfung und die Branddienstleistungsprüfung ab – nicht, um ausgezeichnet zu werden, sondern um im entscheidenden Moment helfen zu können.
Als Atemschutzgeräteträger war Karli bereit dort reinzugehen wo andere rausrennen er war körperlich belastbar – oft kam er mit mehr Luft aus dem Einsatz als so mancher jüngere Kamerad. Doch noch wichtiger als seine körperliche Stärke war sein Verantwortungsbewusstsein und seine Verlässlichkeit im Einsatz.
Bei den zahlreichen Bautätigkeiten rund um unser Rüsthaus war Karli stets zur Stelle, beim Ausbau des Dachgeschosses, beim Bau der MTF-Garage bis zu unserem letzten Projekt dem Bau der LKW-Garage. Besonders beim Bau der MTF-Garage übernahm er Verantwortung. Als einer der führenden Facharbeiter trug er maßgeblich dazu bei, dass dieses Projekt erfolgreich umgesetzt werden konnte. Dieses Bauwerk steht heute sinnbildlich für ihn: beständig, solide und getragen von Kameradschaft.
Seine Einsatzbereitschaft zeigte sich in besonderer Weise beim Hochwasser 2023 in unserer Gemeinde. Über Tage hinweg leistete Karli unermüdlichen Dienst im Katastropheneinsatz. Für diesen außergewöhnlichen Einsatz wurde ihm am 30. März 2024 die Katastrophenhilfe-Medaille in Bronze verliehen – eine Auszeichnung, die er sich durch stillen, selbstlosen Einsatz redlich verdient hat.
Bis zuletzt blieb Karli Feuerwehrmann.
Noch im August half er bei unserem Feuerwehrfest, beim Mehlspeiseeinpacken für den Weihnachtsmarkt war er noch im Rüsthaus, und wenige Tage vor seinem Abschied plante er noch den Besuch unserer Wehrversammlung am 6. Jänner. Er war Teil von uns – bis zum letzten Tag.
Und zu Karli gehörten auch diese ganz persönlichen Bilder, die uns heute ein leises Lächeln schenken – mitten in der Trauer.
Auf der einen Seite der Zahnstocher, auf der anderen die Zigarette und der schiefe Hut – ein Bild, das wir nie vergessen werden.
Und wir erinnern uns auch schmunzelnd an jenen Alarm beim damaligen Fetzenmarkt, den Karli im Feuerwehrhaus verschlafen hat. Alle fuhren aus – nur Karli schlief tief und fest trotz heulender Sirene. Dass er dafür sogar eine Urkunde erhielt, zeigt, wie sehr wir ihn gerade für seine Menschlichkeit geschätzt haben.
Wir feierten mit unserem Karli die Feste, wie sie fielen. Er lachte mit uns, schwieg mit uns, war einfach da. Kameradschaft war für ihn kein Wort – sie war Haltung.
Für mich persönlich war Karli mehr als nur ein Kamerad.
Ich durfte mit ihm am selben Tag der Feuerwehr beitreten, gemeinsam die Grundausbildung absolvieren und viele prägende Jahre meiner Jugend an seiner Seite verbringen. Karli war ein Freund, ein Weggefährte – jemand, auf den man sich verlassen konnte. Immer.
Kurz vor Weihnachten durfte ich Karli noch bei ihm zu Hause besuchen.
Es war schwer zu sehen, wie sehr ihn seine Krankheit bereits gezeichnet hatte. Und doch war er ganz der Karli, den wir kannten.
Wir vereinbarten noch ein Treffen für den 1. Jänner.
Leider kam es anders. An diesem Tag durfte ich ihn noch im Krankenhaus besuchen, bereits sehr schwer gezeichnet – nur wenige Stunden, bevor er für immer von uns ging. Wir sprachen nicht viel – und doch war alles gesagt. Dieser Moment wird für immer bleiben.
Karli war mehr als ein Feuerwehrmann.
Er war mehr als ein Kamerad.
Er war ein Teil von uns.
Lieber Karli,
wir danken dir für 30 Jahre treuen Dienst, für deine Zeit, deine Kraft und dein Herz. Dein Platz bleibt leer, und dein Fehlen schmerzt. Doch das, was du uns gegeben hast, bleibt – in unseren Erinnerungen, in unserem Zusammenhalt, in jedem „Gut Heil“, das wir sprechen.
Unser tief empfundenes Mitgefühl gilt deiner Familie und deinen Angehörigen. Möge euch die Gewissheit Trost spenden, dass Karli geliebt, geachtet und niemals vergessen wird.
Ein letztes Gut Heil, lieber Karli. Ruhe in Frieden!